50 JAHRE GLW (1950-2000)

26. April 2015

50 Jahre GLW (1950-2000)

Geschichte

Broschüre: 50 JAHRE GLW
Grundlehrwerkstätte – Verein zur Förderung gewerblicher Berufe e.V. (1950 – 2000)
Impressum
Text: Walter Wilhelm
Bilder: Bernhard Weiblen
Layout: Manfred Fischer und Roland Kaiserauer
Herausgeber: Roland Kilgus
Verein zur Förderung gewerblicher Berufe e.V., Metzingen 2000

Zum Herunterladen: Originalversion (PDF) mit Bilder


Auszüge lesen

Am 11. April 1949, wenige Wochen vor der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, wurde die Satzung für den zukünftigen Förderverein der Gewerblichen Schule Metzingen niedergelegt. Wenige Monate nach der Gründung der Bundesrepublik, am 12. Januar 1950 wurde der Förderverein unter dem Namen „Gemeinschaftslehrwerkstätte Metzinger Metallbetriebe“, mit Sitz in Metzingen in das Vereinsregister eingetragen. Mittlerweile ist ein halbes Jahrhundert vergangen. Die Bundesrepublik Deutschland und der Förderverein, auch Grundlehrwerkstätte (GLW) genannt, haben in den vergangenen 50 Jahren jeder auf seine Weise Geschichte geschrieben. Die Entstehungsgeschichte des Fördervereins ist geprägt von den großen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die aus den Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg den neuen Staat Bundesrepublik Deutschland geformt haben. Der Förderverein hat sich den neuen Herausforderungen gestellt und schulpolitisch bedeutsame Ideen und Initiativen in die Tat umgesetzt. Seit dieser Zeit hat der Förderverein die Schule mitgestaltet und ihre Entwicklung geprägt.
Mit diesem kurzen historischen Rückblick sollen die Pionierleistungen des Fördervereins, seine frühe Gründung, seine stetige Entwicklung und seine Erfolgsgeschichte im Dienst der Schule näher betrachtet werden.

Die Anfangsjahre

In den ersten Nachkriegsjahren erschwerten steigende Schülerzahlen, Lehrermangel und die teilweise restriktiven Bestimmungen der französischen Militärbehörde das Unterrichten an der Gewerblichen und Kaufmännischen Berufsschule in Metzingen. Im Sommerhalbjahr 1948 unterrichteten drei Lehrer, Emil Jooß, Otto Wieler und Alfred Fritsch und zwei Meister, Mechanikermeister August Schlipf und Schuhmachermeister Jud jun., die höchste Schülerzahl seit Bestehen der Schule (448 gewerbliche und 65 kaufmännische Schüler). „Ein normaler Unterrichtsbetrieb ist (deshalb) nicht möglich“, stellte der kommissarische Schulleiter Jooß in einem Schreiben an Bürgermeister Prechtl am 25. Mai 1948 fest. Nur durch massive Unterrichtskürzungen konnte der Schulbetrieb überhaupt aufrechterhalten werden. So blieben in der gewerblichen Abteilung 163 Schüler ohne Unterricht, 228 Schüler erhielten verkürzten Unterricht, und lediglich 57 Schülern konnte der volle Unterricht erteilt werden. Dies bedeutete sieben Stunden Theorie und je zwei Stunden Werkstattunterricht für die Metall-, Maler- und Schuhmacherlehrlinge pro Woche.
1949 stieg die Schülerzahl an der Gewerblichen und Kaufmännischen Berufsschule weiter auf 670 Schüler, und der sechste hauptamtliche Lehrer seit Karl Kirchenmaier, Theo Erhard, wurde eingestellt. Im Jahr 1951, unter Schulleiter Wilhelm Kramer, betrug die Schülerzahl 745, darunter 136 Schüler der Handelsabteilung, und ein Jahr später zählte man insgesamt 814 Schüler. Zwei weitere hauptamtliche Lehrer, Franz Schiefner (1951) und Wolfgang Pribil (1954) kamen hinzu, und der Werkstattunterricht wurde auf folgende Berufsgruppen ausgedehnt: Damenschneiderinnen (1950), Konditoren (1953) und Handschuhmacher (1954). Einige wenige Berufsgruppen dagegen – Friseure, Elektriker, Gärtner – besuchten weiterhin den Fachunterricht in Reutlingen.
Auch nach der Entstehung neuer politischer Strukturen in der französischen Besatzungszone, wie der Gründung des Landes Württemberg-Hohenzollern und der Einrichtung eines Kultusministeriums (1947), und auch nach der Gründung der Bundesrepublik (1949) und des Landes Baden-Württemberg (1952) hielt der Lehrermangel an. Erst Mitte der 50er Jahre stabilisierten sich die Schulverhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt.
Ab 1956 verbesserte sich auch an der Gewerblichen und Kaufmännischen Berufsschule in Metzingen die Unterrichtsversorgung bedingt durch weitere Lehrereinstellungen und durch einen Rückgang der Schülerzahlen. Insgesamt unterrichteten nun elf Lehrer 712 Schüler (sechs Lehrer in der gewerblichen Abteilung: Wilhelm Kramer, Emil Jooß, Otto Wieler, Theo Erhard, Franz Schiefner, Wolfgang Pribil, zwei Lehrer in der kaufmännischen Abteilung: Alfred Fritsch, Oskar Teubner und drei Werkstattlehrer: Helmut Melchinger, Gerhard Beck, Fritz Schäfer). Mittlerweile hatte man auch wieder die von Karl Kirchenmaier im Jahr 1929 begonnenen Handwerks-Meisterkurse im Abendunterricht aufgenommen.
Ab 1952 hatte Schulleiter Wilhelm Kramer die Leitung dieser Kurse inne, bis sie nach seiner Pensionierung 1962 von Wolfgang Pribil übernommen wurde. Das Engagement der Schule in diesem Bereich der Weiterbildung hatte als wichtigen Nebeneffekt eine oft persönliche Bindung der Kursteilnehmer an die Schule, die jetzt selbst Handwerks-Unternehmer bzw. Ausbilder in Handwerk und Industrie waren.
Für die weitere Entwicklung der Schule waren in dieser Phase zwei Aspekte von besonderer Bedeutung. Zum einen änderte sich die Zusammensetzung der Schüler durch einen starken Rückgang der Handwerkslehrlinge und die gleichzeitige Zunahme der Industrielehrlinge (hauptsächlich Metallberufe). Zum anderen wurden in den Schulräumen immer mehr freiwillige Abendkurse und Vorbereitungskurse für die Meisterprüfung auf privater Basis (also außerhalb des amtlichen Deputats) angeboten und damit der zunehmenden Bedeutung der beruflichen Weiterbildung entsprochen. Beiden Entwicklungen trug die Schule durch die Gründung neuer Einrichtungen Rechnung. So entstand 1950 ein privater Verein, die „Gemeinschaftslehrwerkstätte Metzinger Metallbetriebe“, aus der im Jahr 1955 die Einjährige Berufsfachschule Metall und zehn Jahre später die Meisterschule für Metallberufe hervorging. Dieser private Verein, gegründet am 12. Januar 1950 war die Geburtsstunde des Fördervereins der Gewerblichen Schule Metzingen.

12. Januar 1950: Die Geburtsstunde des Fördervereins

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg wurde deutlich, dass die berufliche Ausbildung der Mechaniker- und der Maschinenbaulehrlinge mit der Entwicklung der Technik nicht schritthalten konnte. Industriebetriebe hatten zwar Lehrwerkstätten oder Lehrecken, die aber nur einem geringen Teil der Lehrlinge zugute kamen. Klein- und Handwerksbetriebe hatten dagegen keine besonderen Ausbildungsplätze.
Studienrat Emil Jooß, Fachlehrer für die Metallberufe, empfahl deshalb die Einrichtung einer sogenannten Gemeinschaftslehrwerkstätte und machte den Metzinger Unternehmern entsprechende Vorschläge. Diese waren von der Idee zwar angetan, konnten aber im Krieg wegen anderweitiger Aufgaben und unmittelbar danach aufgrund fehlender Mittel, die Pläne nicht verwirklichen. Als in den Nachkriegsjahren die Zahl der Entlassschüler ohne Lehr- oder Arbeitsstelle anstieg, also eine Lehrstellenknappheit die Chancen der jungen Leute zur Erlernung eines Berufes minderte, wurde der Plan wieder aufgenommen. Vom Land Württemberg-Hohenzollern wurden zu dieser Zeit Mittel für die Einrichtung von Vorlehren zur Verfügung gestellt. Damit sollten die geburtenstarken Jahrgänge 1939, 1940 und 1941 aufgefangen werden.
Diese Mittel ermöglichten schließlich am 12. Januar 1950 die Gründung einer einjährigen Grundlehrwerkstätte in Metzingen, kurz GLW genannt. Es war eine private Einrichtung, getragen von der „Gemeinschaftslehrwerkstätte Metzinger Metallbetriebe“, ein Verein zur Förderung der Metallberufe. Mitglieder waren neben Handwerkern, Unternehmern und Lehrern, die Handwerkskammer Reutlingen, die Industrie- und Handelskammer Reutlingen und die Stadt Metzingen. Studienrat Jooß und Bürgermeister Schmid gelang es, neben den Vereinsmitteln, auch Gelder aus dem Bundesjugendplan zu beschaffen. Darüber hinaus wurde ein Bankkredit in Höhe von 60 000 Mark aufgenommen, den man nach zehn Jahren wieder getilgt hatte. Für diesen Kredit hatte die Stadt Metzingen eine Ausfallbürgschaft übernommen.
1953 wurde auf dem Gelände der Gewerbeschule am Lindenplatz ein Werkstattbau (im Erdgeschoss) und drei Klassenzimmer und zwei Lehrerzimmer (im Obergeschoss) errichtet. Das Erdgeschoss wurde von der GLW finanziert und das Obergeschoss von der Stadt Metzingen…

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